Renate Frerich

Texte

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der Mensch

Menschliches Sein immer wieder neu zu formulieren, ist mein Anliegen. Zunächst entwickelte ich aus dem spontanen Gestus heraus die ersten figürlichen Umrisszeichnungen, die ich unter Verwendung verschiedener Materialien immer weiter abstrahierte. Nur noch entfernt erinnern die Figuren an menschliche Körperformen. Schließlich wurden sie eher Chiffren oder Zeichen einer eigenen Sprache.

Ausgehend von dieser „individuellen Schrift“ begann ich weitere biometrische Merkmale (Fingerabdrücke, Haare) und Alltagsgegenstände in meine Arbeit einzubeziehen. Diese Dinge erbat ich mir von Personen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit verbunden mit einer Selbstäußerung ihrer Übereigner. Einem Zitat gleich trage ich Fragmente zur Definition von Individualität zusammen.

Interaktive Projekte:

Der Zufall spielte mit bei meinem ersten interaktiv durchgeführten Projekt. Ich bat die Kunden/innen eines Frisörsalons im Rahmen der Hörster Fensterschau in Münster, mir eine Haarlocke und ein Mitbringsel dazulassen und verpackte sie in der Arbeit „aufgehoben ff“.

Weitere Projekte folgten, bei denen ich biometrische Merkmale (Haare, Fingerabdrücke) oder kleine Gegenstände, versehen mit einer persönlichen Äußerung des ursprünglichen Besitzers in meine Arbeiten aufnahm.
Die Teilnehmer einer Essensrunde in Dortmund überließen mir ihre Fingerabdrücke unterschrieben mit einer für sie zutreffenden Bezeichnung (Tochter von..., Freund von...). Diese Informationen verarbeitete ich in dem Werk „Tafelrunde“.

Ähnlich gaben mir ca. 60 U-Bahnfahrer/innen ihre Fingerabdrücke mit entsprechender
Bezeichnung beim KunstTransport in München auf meine „Kennkarten“ Diese Dinge erbat ich mir von Personen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit.
Ähnlich ging ich bei weiteren Projekten in Herne vor.

Zitat Christoph Kivelitz, Dortmunder Kunstverein:
Für die Herner Ausstellung hat Renate Frerich das Projekt „In der Nachbarschaft“ entwickelt. Bewohner aus der Umgebung der Flottmann-Hallen wurden in persönlichen Begegnungen gebeten, der Künstlerin Handschuhe und hierauf bezogene Anmerkungen zu übereignen. Auch hier vergegenwärtigt sich eine Persönlichkeitsspur, die auf partizipatorischem Weg, über Attribute und Selbstäußerungen die Mitakteure gleichsam porträthaft im Ausstellungskontext repräsentiert. Während Renate Frerich die Bildgattung des Porträts in eine zeitgemäße Methodik überführt, thematisiert sie gleichzeitig den Spannungsraum zwischen öffentlicher und privater Identität...

Während der Eröffnung in den Flottmann-Hallen ließ ich die Besucher fotografieren und ergänzte ihre Schattenfotos mit ihren Anmerkungen auf Notizzetteln.
In Liesborn befragte ich Kirchgänger und arbeitete ihre Selbstäußerungen in ihre Fotos mit ein.

Auch für die Einzel- und Familienportraits ließ ich mir Gegenstände mit einer Anmerkung übereignen. Die alte Frau schenkte mir ihre Haarnetze und bezeichnet sich als die, die so gern spazieren geht. Die Familie übergab mir eine Haarbürste, eine Kopie und eine Weste. Zur Familie gehören, die, die immer ihre Schlüssel sucht; die, die gern die Zeit vertrödelt und der, den Sudoku unfrei macht.

Diese Projekte sind Momentaufnahmen aus einem festgelegten Blickwinkel heraus. Es geht mir nicht um die Festlegung der Persönlichkeit, sondern um die Frage nach den wechselnden Rollen, die ein Mensch einnimmt.

Materialbilder

Bevor ich begann mehrteilige Arbeiten aus verschiedenen Materialien zusammen zu fügen, stellte ich ganze Serien von Einzelfiguren und Figurengruppen her.
Aus Holz gesägt und beklebt, in Wachs oder Gips gegossen, in Draht geformt, auf Leinwand in Acryl, immer interessieren mich die facettenreichen Unterschiede, die jedes Material mit sich bringt - wobei der Draht auf mich eine besondere Faszination ausübt.

Zitat Dr. Franz, Landesmuseum Münster zu Drahtgebilden und Folienkissen im Kunstverein Lippstadt:
Renate Frerich aus Dortmund schafft fragile Gebilde aus Draht, aus Folie, aus gezeichneten Linien. Nichts schließt ab, keine Form steht fest, alles hat etwas Leichtes, wie Improvisiertes. Das Erkennen bleibt im Bereich des Spielerischen, der offenen Möglichkeiten. Diese Form-Möglichkeiten verbinden sich ohne sich einer Regel zu unterwerfen. Das hat auch etwas mit Freiheit zu tun.